Die goldene Mitte, oder In die Luft schauen

Oft habe ich das Gefühl ich habe den ganzen Tag gearbeitet und nichts fertig gebracht und doch bin ich hundemüde.Der Haushalt wird ohne hin nie fertig – weiß ich – glaubs aber immer noch nicht. Entweder Küche ordentlich oder Wäsche gewaschen, beides scheint nicht am selben Platz existieren zu können.

Bin ich schlecht organisiert? Lasse ich mich leicht ablenken? Brauche ich mehr Struktur oder Effizienz? Wo bleibt Zeit für mich und für Spaß?

Ausreden

Das blöde ist nämlich folgendes. Ich habe begriffen, dass ich alleine für mich und meine Gefühle, meine Gedankenwelt und mein Leben verantwortlich bin. Kein Abschieben der Schuld und Fehler an Andere. Oft kann auch keiner etwas dafür. Die Wäsche hüpft nicht von alleine in den Schrank und die Teller auch nicht in den Geschirrspüler. Wenn es liegen bleibt war etwas anderes wichtiger.

Verantwortung

Verantwortung zu übernehmen kann ganz viel verändern. Plötzlich werden die Zusammenhänge zwischen den Handlungen und den Ergebnissen sichtbar. Ich weiß wie ich mich immer wieder in Situationen bringe die mich dann zu spät kommen lassen. Oder ich vergesse etwas wichtiges. Oder mich wirft es der Länge nach auf den Asphalt, weil ich nicht aufpasse, weil sich alles wieder einmal nicht ausgeht. Es kann auch sein, dass ich eine Stunde zu früh in der Schule sitze und mich wundere warum denn keiner kommt.

Sinn

Darf ich Zeit verschwenden? Als Kind war ich still und habe gerne gemalt und gezeichnet. Ich konnte stundenlang sitzen und mich damit beschäftigen. Ich konnte in die Luft schauen und einfach sitzen und warten, auf den Bus oder den Zug. Später hatte ich dann immer ein Buch dabei in das ich mich vertieft habe.

Die Zeit verstreicht oft viel zu schnell ohne dass ich etwas zustandegebracht oder in die Luft geschaut habe. Eigentlich schade, beim in die Luft schauen hätte ich wenigsten was davon.

Aufmerksam

Als Kind sah ich jeden Regentropfen, jede Schnecke, jede Schneeflocke und jede Feder. Ich nehme mir nicht immer die Zeit genau hinzusehen, aber doch immer wieder. Viele Leute hier vor dem Laden laufen einfach vorbei, schauen nicht links nicht rechts, schauen den anderen Menschen selten ins Gesicht und beachten nicht die Arbeit und Schönheit die hinter allem steckt.

Kontrolle

Eine Zeit lang, als junge Erwachsene, erlag ich der Illusion alles kontrollieren zu können zu müssen. Es machte mich verbissen, nörgelnd und nichts sehend. Ich bekam immer öfter keine Luft und übersah die Einfachheit im System und in der Welt. Alles musste nichts durfte. Welch Zeitverschwendung und Hetzerei. Ich ertappe mich selbst dabei. Je schneller sich alles bewegt desto schneller soll ich Entscheidungen treffen. Im Stress denke ich aber nicht gut und treffe dann Entscheidungen mit denen ich nicht zufrieden bin. Manchmal stellt sich erst im Nachhinein heraus, dass das Ergebnis doch perfekt passt. Aber das sehe ich dann schon gar nicht mehr.

Die goldene Mitte

Das Mittel ist sehr subjektiv, es besteht weil es ein Mehr und ein Weniger gibt. Es wird uns vorgetäuscht, dass das erstrebenswert ist oder auch nicht. Du sollst dich aus der Masse abheben, aber gleichzeitig darfst du nicht zu viel auffallen (könnte arogant wirken). Durchschnitt zu sein ist schlecht, das Maß aller Dinge wird empfohlen. Du sollst nicht zu viel Süßes essen sondern das eine Stück Schokolade genießen. EINS hab ich gesagt nicht eine ganze Tafel! Zu viel Fleisch ist schlecht, aber zu wenig Eiweiß auch. Was denn nun? Wo fange ich an und wo höre ich auf?

ICH

Ich werde die Worte muss und aber eine Zeit lang weglassen und das mit der Verantwortung weiter üben. Ich werde entspannt zu spät kommen und mich nicht verurteilen, weil ich etwas vergessen habe. Ich werde die ganze Tafel Schokolade genießen und einfach mal in die Luft schauen. Und wenn der erste Schnee heuer kommt setze ich mich auf meinen Balkon und schaue den Schneeflocken zu. Darauf freu ich mich schon. Ach ja, und ob ich Weihnachten überhaupt ein Geschenk bekomme oder nicht ist mir so egal wie es nur sein kann. Ich hab alles was ich brauche schon.

Alles Liebe Elisa

über Elisa

Elisa möchte die Welt verbessern und das Leben leichter machen. Mutter eines behinderten Sohnes (in der Pubertät) und Herrscherin über Chaos sind schon mal gute Voraussetzungen.

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