Fertig

Als ich heute die Buchrezension schreiben wollte ist mir ein Titel aufgefallen im Speicher der nie ein Beitrag wurde. „Wann ist der Alltag so kompliziert geworden“. Das ist jetzt spannend, dachte ich mir, gerade vor 3 Tagen hatte ich das erste Mal das Gefühl ich bin fertig.

Ich bin fertig

Fast unglaublich. Auf diesen Tag arbeite ich seit Jahren hin. Hätte nicht gedacht, dass es ihn auch gibt. Angefangen habe ich sicher vor über 10 Jahren. Mein erstes Buch zum Thema war „Mit Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston. Mein Chaos war schon vor unserem Sohn vorhanden. Seitdem hatte sich allerdings recht viel angesammelt. Was man halt so braucht damit eine 140 m² Wohnung nicht leer aussieht. Und wie man seine Freizeit (*lautes Lachen*) schön gestaltet, als wäre man nicht mit dem Vorhandenen schon überfodert. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich fertig bin und wenn ich durch die Wohnung gehe und schaue was ich so habe, gefällt es mir. Ich habe nämlich noch mehr als genug. Nur keine Lust mehr auf Unnötiges. Auch wenns schöneDinge sind und mir versprochen wird, dass es mein Leben wirklich erleichtern wird.

So viel verschwendete Zeit

In der ich viel gelernt habe. Mich zu mögen zum Beispiel und nicht zu nörgeln. Anzunehmen was kommt aber nicht klein beizugeben. Ich habe erfahren, dass man auch ein altes Buch in die Tonne werfen kann und nichts passiert. Und, dass es Vieles gibt, das eigentlich keinen Wert hat obwohl es alt ist und vieles Neues keinen Wert hat obwohl es neu ist. Schräge Welt. Aus der Meinung anderer habe ich mir noch nie viel gemacht. Die Sache ist die. Es liegt an mir. Oder an dir. Unser Kopf ist der Meinung so ist es und nicht anders. Ihm das abzugewöhnen braucht Zeit und Durchhaltevermögen. Viel oder wenig ist Ansichtssache und eine Frage der Perspektive.

Definition Fertig

Hier ist noch einiges was im Laufe des Jahres weg kommt. Das steht schon fest und steht oder liegt halt hier noch rum. Aber das weiß ich schon. Bücher zum Beispiel hole ich mir aus der Bücherzelle in Hinterbrühl oder aus den Bücherschränken in Mödling und bringe sie nach dem Lesen wieder zurück. Ein paar von den Eigenen stelle ich dann gleich noch dazu. Ein paar Gerätschaften werden noch verkauft. Ein großer Spiegel steht mit der Glasseite gegen die Wand hinter der Schlazimmertür und ein paar Gewürze und Mayos aus dem alten Laden haben wir noch aufzubrauchen. Aber das ist keine Hauruckaktion mehr die eine ganze Woche dauert. Keine Zimmerrenovierungen mehr und keine große Umbauten im Garten. Vielleicht stelle ich heuer noch den Schreibtisch um.

Meine Gewohnheiten haben sich geändert

Nein. Ich habe meine Gewohnheiten geändert. Ich belohne mich nicht mehr mit einer Kleinigkeit beim Einkaufen (meistens experimentelle Lebensmittel). Ich kaufe keine Zeitschriften mehr (machen unnötig Müll und Pinterest ist viel größer) und aus irgendeinem Grund gefallen mir die Bilder darin nicht mehr. Wenn ich etwas kaufe, dann dauert das länger. Je teurer desto mehr Zeit vergeht. Und dafür geht dann etwas anderes weiter. Ich schaue kein fern mehr. Weil im Sommer unsere Betreuung für den Sohn meinte das dreht ihn auf und hat ihn gleich abgedreht. Und seitdem haben wir ihn nur mehr selten laufen. Ab und zu eine Serie auf dem Handy über die Anbieter ihr wisst schon wen ich meine. Ich stricke wieder, aber ich mache ein Projekt fertig und dann kommt das Nächste. Ich habe keine Lager oder viel Vorräte. Routinen habe ich immer noch keine richtigen. Aber ich weiß was ich wann machen sollte oder sagen wir am Ende der Woche passt es. Ich geh lieber früh schlafen und koche dafür morgens vor der Schule/Arbeit/Büro das Frühstück und das Mittagessen. Ich esse 2 – 3 Mal täglich warm und ich gehe Montag Morgen gerne zur Arbeit. Weil ich meine Arbeit liebe und meine Arbeitskollegen Freunde sind.

Die Einstellung ist wichtig – es ist meine Entscheidung

Wir laufen kopflos wie Hühner durchs Leben und wundern uns warum alles so hektisch ist. Keine Pause ist eine richtige Pause und kein Urlaub entspannt uns. Und die ganzen Ratgeber sind auch für den Müll. Sie brauchen ein Leben von dem sie keine Erholung brauchen. Sie müssen jeden Tag Yoga machen. Ihre Kinder dürfen auf keinen Fall Zucker essen. Achtsamkeit ist wichtig und bitte auf keinen Fall beim Einkaufen Papier nehmen – verwenden sie gefälligst einen Stoffbeutel – selbstgenäht und aus Bio Baumwolle.

Wir haben verlernt zu beobachten und nach Prioritäten zu entscheiden

Oder wir haben es nie gelernt. Ich konnte das auch nicht. Aber ohne Prioritäten und ohne Entscheidung ist alles gleich. Nichts kommt von uns, alles ist eine Meinung von außen. Alles ist gleichwertig und das ist es nicht. Wir können nicht ungestraft alles gleichsetzen. Wer sich entscheidet und das heißt auch Nein zu sagen und loszulassen, der kann wieder selbst bestimmen wo es lang geht und fühlt sich nicht mehr verloren.

Das ist mein Fertig – und jetzt fängt es an Spaß zu machen – und ich hab ganz viel Zeit.

über Elisa

Elisa möchte die Welt verbessern und das Leben leichter machen. Mutter eines behinderten Sohnes (in der Pubertät) und Herrscherin über Chaos sind schon mal gute Voraussetzungen.

2 Replies to “Fertig”

  1. Du sprichst mir gerade aus der Seele. Ganz soweit bin ich noch nicht, aber auf dem gleichen Weg und schon manchmal habe ich eine Ahnung, wie es sich anfühlt „fertig zu sein“. Ich glaube ich drucke mir deinen Artikel als Ansporn aus. 😉

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