Gerümpel lässt sich nicht ordnen

Bin wieder da :-D. Na gut, ganz trifft es das nicht. Eigentlich bin ich weg. Umgezogen. Mit viel Loslassen und Neumachen.

Beim Lesen meiner alten Artikel hier denke ich gerade: Wow, volle Motivation. Respekt. Und doch waren die letzten 2,5 Jahre anders. Spannend – ermüdend – aufregend. Es beschäftigen mich immer noch die gleich Themen. Hätte ich meine Artikel gerade nicht gelesen und einfach drauf losgeschrieben, ich wette die Inhalte wären sehr ähnlich geraten.

Trotzdem habe ich das Gefühl ich habe mich sehr stark weiterentwickelt. Und noch viel mehr habe ich losgelassen. Diese Motivation, so toll sie ist, kam damals noch von Außen. Sie war nicht in mein Leben integriert. Keiner schafft es sich jeden Tag die Sonne aus dem Arsch scheinen zu lassen. Das will auch niemand. Das Glück, die Zufriedenheit stumpfen ab und erscheinen nur im Vergleich mit der anderen Seite des Lebens zu scheinen und Sinn zu machen. Jeden Tag der perfekt Tag würde uns nicht glücklich machen. Immer das Gleiche geht uns schnell auf die Nerven.

Die Lösung 😀 – Willst du deine Gewohnheiten ändern? Zieh um!

Ganz so einfach ist es nicht, aber es muss nicht immer schwer sein. Und ein Muss auch nicht. Alles ergibt Sinn. Wenn du es rückwärts betrachtest.

Wir sind halt umgezogen. Mit einer Geschwindigkeit, dass man meinen könnte es war fluchtartiges Verlassen. War es nicht, es war einfach DIE Gelegenheit. Wenn es passt dann nehme ich es an. Leider spukt es in meinem Hirn diesbezüglich manchmal. Glaubenssätze und inneres Kind, du weißt schon, die Klassiker. Ein Schritt zurück, Druck weg und los gehts. So einfach war es nicht. Ich bin nicht der umkomplizierte Typ, ich bin der mit dem es Spaß macht. Und wenn ein Umzug einen Endtermin hat, kann ich schon mal Druck machen.

Augen zu und durch

Das war unser Umzug. Kurze Vorbereitungszeit, ein paar wenige Wochen um das alte Leben und die alten Möbel und Besitztümer loszulassen, zu verschenken, verkaufen oder entsorgen.

Die Herausforderung, 140 + 30 m² plus einen 400 m² Garten vorher, so zu schrumpfen, dass alles in eine 92 m² Wohnung plus kleinem Kellerabteil und 90 m ² Garten passt. 😀

Schlafzimmer_Katze

Anfangs war es schwer. Motivert durch das Buch von Marie Kondo – Magic Cleaning habe ich mit einfachen Kategorien angefangen. Bisher hatte ich immer Schublade für Schublade und Zimmer für Zimmer entrümpelt, geordnet und geputzt. Das führt aber in einer großen Wohnung nicht unbedingt zu weniger Dingen. Mich hat sehr überrascht wie viele Kugelschreiber und Bleistifte ich in einer 140 m² Wohnung versteckt hatte. Wir haben einfach alles doppelt aufgehoben, weil der Platz da war. Neue Teller? Die alten werden aufgehoben, die sind noch gut und falls Besuch zu Weihnachten kommt nützlich. Geschenke aus der Verwandtschaft, kein Problem wir haben noch Platz und Stauraum kann man nie genug haben.

Der Klassiker, viel Platz ergibt viele Dinge. Und der Wunsch hinter dem Wunsch. Die vielen Teller stehen für große Fest, die man feiern könnte. Die unzähligen Kugelschreiber braucht man, weil alle in diversen Taschen und Laden verschwinden und im Bedarfsfall keiner da ist. Man sucht verzweifelt seine Schlüssel, die Socken treten einzeln auf und die Lieblingsbluse ist wieder mal in der Wäsche. Trotz der vielen Möbel hat nicht alles seinen fixen Platz und das verursacht Chaos und kostet Zeit und Nerven.

Monate lang hatte ich versucht dem Chaos Einhalt zu gebieten und war kläglich gescheitert. In einer großen Wohnung sieht es nicht gleich so aus als hätte man 5 Mal so viel als man eigentlich braucht. Was ich noch nicht wusste: Gerümpel lässt sich nicht ordnen.

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Gerümpel lässt sich nicht ordnen

Ich taste mich voran und beginne wie beschrieben mit einfachen Kategorien. Schals, fällt mir leicht. Kugelschreiber auch leicht. Kaputte Dinge wegwerfen. Doppelte Küchenutensilien spenden. Es wird nicht sichtbar weniger. Ich gehe alles noch einmal durch und wieder lasse ich vieles los. Schön langsam beginne ich zu begreifen, dass es mir leichter fällt, wenn ich die Kategorien öfter durchgehe und die besten Stücke raussuche. Dann vergleich ich und die die mir nicht gut tun kommen weg. Ich bin im Flow und mache oft Stunden pro Tag das Gleiche. Jeden Gegenstand einzeln in die Hand nehmen und spüren ob er mir gut tut (sparks joy). Noch leichter fällt es mir, wenn ich mich frage, will ich das wirklich schleppen? Und weg damit.

Lebensmittel haben wir so gut es geht vorher verbraucht. Der Vorratsschrank – Artikel auf WAGNERS Kulinarium. Die beiden Küchen wurden zusammengelegt, wir haben jetzt nur mehr eine. Fotos, Bücher, Kleidung, Handtücher, Geschirr alles weg. Was bleiben durfte hatte ich zirka 5 Mal in der Hand.

Ich habe die Kisten nicht gezählt, aber wir haben ca. 4 Mal so viel entrümpelt als wir behalten haben. Beim Auspacken habe ich mich weiter an die Vorgehensweise gehalten, die so gut funtkioniert hat. Does it spark joy? Nö, dann weg.

Auf die große Veränderung habe ich lange gewartet. Hääh? Ja, ich habe überall gelesen, dass sich bei so einem riesen Loslassprojekt auch viel in meinem Leben tun wird. Einige berichten, dass sie abgenommen haben, andere haben neu Jobs, Freunde, …

Egal wohin du gehst, du nimmst dich selbst immer mit

Ich habe gewartet. Ich habe mir viel versprochen vom Umzug. Erleichterung, Vereinfachung, mehr Zeit, mehr Geld, weniger Stress, weniger Gewicht, … Doch es kam nichts – oder sagen wir mal so, ich konnte es nicht sehen, weil ich immer noch auf einer hohen Stressebene gekreist bin, die das nicht zugelassen hat.

Loslassen ist das eine, Zulassen das Nächste und Weglassen und Seinlassen gehören auch dazu. Nach Monaten bin ich auf einem ertragbaren Stresslevel angelangt. Ich höre wieder auf meinen Körper und auch die beim Umzug entstandenen körperlichen Symptome und Schäden sind weitgehendst verschwunden. Ich lerne, dass es mir besser geht, wenn es ordentlich ist, weil mein kreatives Hirn dann arbeiten kann, wenn es von Ruhe und Leere umgeben ist. Und, dass es viel schneller geht, wenn man sich nur um 6000 Dinge kümmern muss als um 30 000.

Egal wohin du gehst, du selbst bist immer dabei. Dein Angewohnheiten, deine Gedanken und das was du dann tust ändern sich nicht, weil du einfach umziehst. Du bist deine größte Chance und dein größter Kritiker. Was auf das Loslassen der Besitztümer folgt ist jetzt ein Loslassen alter Gewohnheiten. Das Finden neuer schöner Strukturen. Das Genießen, dass alles einen Platz hat und das es auch dem Pubertier hier so viel besser geht. Es ist immer noch Arbeit, jeden Tag, ich habe mich nicht geändert. Doch, ich bin achtsamer was ich kaufe. Ich brauche keine große Wohnung mehr, ich brauche auch nicht mehr so viele Bleistifte und ich hoffe ich kann mich noch weiter auf das Wesentliche reduzieren.

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3 Wochen nach dem Umzug war die letzte Kiste ausgepackt. Zwischendurch hatte ich einzelne Tage wo ich am Verzweifeln war und dachte ich werde nicht fertig. Mein Mann hat mir Mut zugesprochen. Er hat gesehen, was ich alles geleistet hatte und wußte ich brauche eine kurze Pause. Nach spätestens 3 Tagen konnte ich es nicht mehr lassen und habe Stück für Stück weiter gemacht und Ordnung geschaffen.

Ich bin noch nicht fertig. Ich bin nie fertig und hoffe ich werde es akzeptieren lernen, dass unser Leben nicht aus fertig besteht. Leben ist Bewegung und deshalb weiß ich, das ist sicher nicht die letzte Wohnung. Aber ich liebe sie – im Hier und Jetzt!

Alles Liebe

Elisa

Wie oft bis du schon umgezogen?

über Elisa

Elisa möchte die Welt verbessern und das Leben leichter machen. Mutter eines behinderten Sohnes (in der Pubertät) und Herrscherin über Chaos sind schon mal gute Voraussetzungen.

2 Replies to “Gerümpel lässt sich nicht ordnen”

  1. Liebe Elisa. Begeistert habe ich deinen Beitrag gelesen. Sehr emotional und so wahr. Egal wie oft du umzieht , du bist immer dabei. Wie wahr! Aber man ( und auch du …) verändert sich, und entwickelt sich auch weiter. Und das ist auch gut so.Ich habe dich erst nach dem Umzug kennengelernt – du bist eine tolle, bewundernswerte Frau! So, und ich werde jetzt deine alten Beiträge lesen , die kenne ich noch nicht.
    Alles Liebe ! Regina

    • Hallo Regina,

      vielen Dank für deine lieben Worte. Ich kann das Kompliment nur zurückgeben.
      Ich schreib jetzt wieder, nur für mich :-D.

      Alles Liebe
      Elisa

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