Was fehlt mir? Ich hab doch alles.

Irgendetwas scheint mir zu fehlen. Ich habe ständig den Drang mich abzulenken. Vor allem von Aufgaben die ich dringend machen müsste. Ich lenke mich ab mit Kleinigkeiten. Habe mir heute sogar die Zeit genommen aus dem Fenster zu schauen – es liegt der erste Schnee. Der erste Schnee ist immer schön.

Die letzten Tage habe ich das dringende Bedürfnis mir etwas zu kaufen, mir etwas Gutes zu tun oder etwas zu essen. Das hängt bei mir leider eng zusammen. Dabei weiß ich ganz genau, dass ich das alles nicht brauche, dass das die Gefühle nicht verändert und die Situation auch nciht. Ich brauche keine Zeitschrift zum Blättern, keine neuen Schuhe, keine neue Couch und kein Dauerfrühstück bis halb 12. Ich esse im Durcheinander, man könnte meinen ich … na lassen wir das.

Aber was fehlt mir denn?

Warum ist es so schwer für mich nichts zu tun? Nichts Produktives, etwas das Geld bringt oder Anerkennung oder zumindest sonst einen Nutzen hat? Nichtstun das mir gut tun würde. Einfach Ruhe geben und klar kommen mit dem was kommt, wenn ich in mich hinein höre? Oh, ich hab Angst was da kommen könnte.

Der Gedanke kommt bei mir nicht gut an. Jetzt plane ich Neues, Aktivitäten, Hobbies, … Was will mein Geist mit dieser Dauerbeschäftigung? Ich finde überall etwas.

Keinen Wert für die Gesellschaft haben?

Ich mache auch etwas wenn ich nichts mache. Ich versorge mein Kind und habe Aufgaben wie Haushalt, Reparaturen, Arzttermine. Ich versuche auf meine Gesundheit zu achten, Yoga zu machen, gesund zu Kochen, zu Bloggen, zu Schreiben, Haushalt hab ich schon, nicht? Ich Pflege meine sozialen Kontakte (ok via Facebook und E-Mail, aber immerhin), gehe Einkaufen. Meist merke ich was ich alles tagein tagaus mache, wenn ich nichts machen kann weil ich krank bin oder jemand aus der Familie. Dann bleibt viel liegen und das schreit danach nach Erledigung.

Hilfreich wäre wahrscheinlich immer einen oder zwei Schritte voraus zu sein und etwas besser oragnisiert zu sein. Aber wer schafft das? Bitte Hände hoch! Ich bin froh, wenn mir in der Früh nicht schon 15 Minuten fehlen die ich bis Tagesende auf 60 Minuten ausbauen kann.

Das geht sich noch aus! Dabei weiß ich, wenn ich jetzt manches liegen lassen, dass ich dann morgen wieder eine viertel Stunde zu spät bin und alles knapp wird.

Es gibt keine Pausen mehr dazwischen. Es fällt mir immer stärker auf. Früher war ich auch manchmal hinterher, aber es gab immer wieder im Jahr Zeiten wo ich aufhole konnte. Urlaube, Frühjahrsputz, Weihachtsputz, Neujahrsvorsätze, Ferien. Die sind nicht mehr da, schon lange nicht mehr.

Wo sind die geblieben? Wieso mache ich da mit? Warum sagt mir jemand anderes wann ich wertvoll bin und was ich zu tun habe? Warum höre ich gebannt zu und denke boah super nächste Challenge – ich schaffe das.

Ich bin überfordert. Mit der Anzahl der gestiegenen und steigenden Erwartungen und Entscheidungen. Mit den Vorbildern und Meinungen auf Facebook. Mit den Ansprüchen an mich selber, das macht man so, das ist leichter so und das wird nix, lass das Mal lieber.

Ich bin überfordert mit Radio hören im Auto, mit Supermärkten die ein Sortiment aus 20.000 Artikeln haben und ein unheimliche Geräuschekulisse. Ich will es einfacher machen und bestelle die Kinderkleidung im Internet, dann muss ich aber wieder zu Hause sein, wenn die Lieferung kommt. Post ist in der Früh, DPD um 12, DHL um 14 oder gleich was anderes. Was ist richtig? Was macht mich glücklich?

Und das intensivste Gefühl zur Zeit ist: Ich will nicht mehr so viel wollen! Ich will raus aus dieser Spirale, die nur mehr Arbeit und noch weniger Zeit mit sich bringt. Ja, die Themen kommen aus der Ordnung- und Entrümpelecke. Vielleicht liegt das an meiner Genration oder an meinem Alter. Mit dem Alter wird man klug – nicht wahr?

Ich denke oft an meine Oma, die hatte es sicher nicht leicht, aber ist dieses endlose Auswahl an Möglichkeiten die ich heute habe wirklich befreiend? Ich finde es anstrengend und habe gleich wieder Schuldgefühle. Damit ich mich gefühlt zurücklehnen kann muss mein Mann arbeiten gehen. Aber vielleicht freut es ihn auch manchmal nicht.

Elisa

 

 

über Elisa

Elisa möchte die Welt verbessern und das Leben leichter machen. Mutter eines behinderten Sohnes (in der Pubertät) und Herrscherin über Chaos sind schon mal gute Voraussetzungen.

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